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Tagebucheintrag: 15. August 2025

15. August 2025 Wie ich hier in meinem Zimmer sitze, hinausschaue, der Schreibtisch vor das Fenster gestellt, denke ich daran, wie gerne ich jetzt mit den anderen draußen sein und frischen Çay vom Feuer trinken würde. Süßer, rauchiger Çay. Auch ganz egal wie sehr ich mich anstrenge, meine Gedanken sammeln sich einfach nicht um die vor mir zu lösenden Schulaufgaben. Ich wende meinen Blick ab davon und sehe den Kalender vor mir. 15. August. Dann wandern meine Augen hinüber zu dem Bild, was meine kleine Schwester Arîn mal gemalt hat und mir damals mit ihrem freudigen, warmen und selbstlosen Gesicht in die Hände gedrückt hat. Darauf steht „Zuhause“. Unter dem Schriftzug ist ein Fluss abgebildet. „Munzur“ denke ich. Im Hintergrund sind Berge zu sehen. Unsere Berge. Und dort, das sehe ich erst jetzt, da stehen Menschen auf den Bergen, in einer Reihe tanzend in Kleidung mit den Farben des Waldes, der Erde. Als wollte Arîn, dass man sie erst beim zweiten Mal hinschauen sieht. Zuvor habe ich sie doch glatt für grau-weiße Tauben gehalten. Ich gucke wieder zum Kalender herüber. 15. August! denke ich. Das heißt:

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Es ist an der Zeit, die Freiheit zu leben!

Ein Kommentar von Emilia Es wurden sich viele Gedanken dazu gemacht, wie das freie Leben aussehen kann. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, das, was noch nicht da ist, auch Wirklichkeit werden zu lassen. Wenn wir wissen, was wir wollen und immer weiterkämpfen, gegen die Herrschaft und den dominanten Mann, dann werden wir uns befreien. Befreiung ist ein gemeinsamer Prozess. Wir sind die Trägerinnen des freien Lebens. Unsere Verbindung zur Natur, unsere innere Kraft und Intuition sind maßgeblich, damit sich der Sozialismus überall verwirklicht. Wir sind die, die das neue Leben schon in uns tragen und wir sähen dessen Samen überall, wohin wir gehen. Der Weg zum freien Leben ist ein gemeinsamer Prozess, in welchem wir alle die Prägungen des Systems Stück für Stück ent-lernen und das neue System nach unseren ethischen und ästhetischen Vorstellungen erschaffen. Dafür braucht es uns, die ihre Freiheit wirklich wollen. Es braucht uns, die auf Augenhöhe kämpfen und sich unserer aller Freiheit zur Lebensaufgabe machen. Ohne Kompromisse! SozialistIn ist, wer nicht nur redet, sondern handelt. SozialistIn ist, wer sich seiner eigenen Prägung durch die Gewalt bewusst ist, diese überwinden will und nicht verleugnet, klein redet oder sich versteckt. Erst im Zusammenleben wird sich zeigen, ob sich Reden und Handeln wirklich decken. Das freie Leben zu leben heißt nicht, dass wir uns in Widersprüchlichkeiten in unserem Kopf verheddern, dass wir uns kleinmachen, nicht trauen oder die Dinge auf Morgen verschieben. Frei Leben heißt, dass wir spüren, was sich in uns regt. Frei Leben heißt, dass wir im Jetzt handeln. Frei Leben heißt, dass wir uns den Respekt, die Wertschätzung und die Liebe geben, die wir verdienen und schon immer verdient haben. Lasst uns gemeinsam unsere Wunden heilen und entschlossen jeden Tag voranschreiten in das neue Morgen!   „Das erträumte Leben lässt sich nicht durch Wunder, sondern durch Revolution erreichen.“ – Abdullah Öcalan

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Mit meinem Namen verbinde ich immer Stärke

Zum 19. Zilan-Festival haben wir, Zilan aus der Bewegung junger kurdischer Frauen interviewt und mit ihr über die Bedeutung des Festivals für die kurdische Gesellschaft und aller Frauen geredet.   Hintergrund: Am 30. Juni 1996 sprengte sich die Guerillakämpferin Zîlan (Zeynep Kınacı) bei einer türkischen Militärparade im nordkurdischen Dersim in die Luft und setzte damit ein Fanal gegen die türkischen Angriffe auf das kurdische Volk. Diese Aktion mobilisierte den Widerstand und erschütterte die türkischen Besatzer in Kurdistan.   Was für eine Bedeutung hat für dich das Zilan-Festival, was ist der Hintergrund dieses Festivals und warum bist du persönlich heute hier? Ich heiße Zilan und komme aus Merdin, ich arbeite mit jungen kurdischen Frauen zusammen, mache Junge-Frauen-Arbeiten. Ich bin heute unter anderem hier, weil ich selbst den Namen Zilan trage. Mit ihrem Namen trage ich eigentlich auch ihr Erbe weiter. Wir feiern das Festival heute, um ihr zu gedenken, um sie zu ehren, aber auch, um die Linie der Freiheit, der freien Frau weiter zu führen. Şehîd Zilan hat ein Fundament dafür gelegt. Sie hat damit eine ganz andere Art von Widerstand gezeigt, die höchste Form von Widerstand. Damit hat sie eine Vorreiterschaft für alle Frauen übernommen und wurde mit ihrer Tat ein großes Beispiel. Vorallem natürlich für die kurdischen Frauen, aber eigentlich für alle Frauen. Rêbertî sagt ja auch Şehîd Zilan ist das Paradigma der freien Frau. Er hat viel über sie geschrieben. Wenn ich an Şehîd Zilan denke, denke ich immer an eine sehr starke Persönlichkeit. Immer, wenn ich nach der Bedeutung meines Namens denke, habe ich mit diesem Namen Stärke verbunden. In der Kindheit zum Beispiel, wenn es Situationen gab vor denen ich Angst hatte, haben meine Eltern gesagt „Du heißt Zilan, du bist Zilan“. Mit meinem Namen verbinde ich immer Stärke und somit auch Angstlosigkeit. Ihre Aktion zeigt ihren Mut, dass sie keine Angst hatte. Und auch wie durchdacht ihre Aktion war und auch die Liebe zur Bewegung, zur Gesellschaft und zu Rêbertî. Sie hat eine Antwort gegeben, eine sehr starke Antwort gegen die Unterdrückung der Gesellschaft und die der Frau. Und ich finde deshalb, dass es für uns junge Frauen ein sehr sehr wichtig ist bei deisem Festival zusammenkommt und, dass es die nächsten Jahre immer wieder stattfinden wird. Sodass man auch die Linie von Şehîd Zilan und allen Gefallenen Freundinnen und Freunden weiterführt.   Was bedeutet widerständige Kultur für dich? Man könnte sagen, das Zilan-Festival ist ein Kulturfestival, das mittlerweile ein Bestandteil der kurdischen Widerstandskultur geworden ist. Ich denke, dass es vor allem wichtig ist vor allem hier in Europa als kurdische Frauen zusammen zu kommen und auch das schon ein Widerstand ist, gegen die Politik faschistischer Staaten die von der Mentalität des dominanten Mannes geschaffen wurde. Zusammen zu kommen ist ein großer Schritt in die richtige Richtung, in Richtung der Befreiung der Gesellschaft auf Grundlage der Freiheit der Frau. Widerständig klingt manchmal, wie etwas Hartes, vielleicht wie ein Begriff, der mit Gewalt verbunden wird. Doch Widerstand kann auch bedeuten zum Beispiel seine eigene Sprache zu sprechen, frei zu denken, freie Gedanken zu erschaffen. Das alles fängt eigentlich im Inneren an. Ich würde auf jeden Fall sagen, dass der Widerstand (der Frau) Teil der kurdischen Kultur geworden ist.   Was bedeuten Veranstaltungen wie diese für die kurdische Gesellschaft? Wir sind ja hier in Deutschland auch ständiger Assimilationspolitik ausgesetzt. Für mich persönlich ist es sehr wichtig unter die kurdische Gesellschaft zu kommen, mit anderen kurdischen Frauen zu sein. Denn wir leben hier in Europa alle dieselbe Realität. Wir können uns gegenseitig stärken. Das Zusammenkommen gibt einem sehr viel Kraft und sehr viel Moral. Die Moral, die man auf Festivals, wie diesen bekommt, nimmt man mit nach Hause. Man weiß immer, dass man nie alleine ist und, dass man viele Menschen um sich hat, die genau so denken, wie man selbst. Es ist wichtig diese Veranstaltung immer weiter zu führen und auch dran teilzunehmen.   Das Zilan-Festival wird nur von Frauen organisiert. In welchen Punkten spürt/ sieht man das? Man merkt das an der Art der Organisierung. Es sind insgesamt viel mehr Frauen da, männliche Freunde sind natürlich auch gekommen. Dieses Gefühl unter Frauen zu sein kann man gar nicht beschreiben, das kann man nur fühlen. Es gibt einem sehr viel Kraft. Auch, wenn man sieht, dass Frauen von überall aus Deutschland herfahren und sich Frauen aus allen Teilen Kurdistans hier heute wieder finden, die dieselben Realitäten teilen – das ist sehr schön.   Was bedeutet Selbstverteidigung für dich, wie ist Şehîd Zilan ein Symbol für die Selbstverteidigung der Frau? Das wichtigste ist, dass Frauen zusammenkommen können und sich organisieren. Sich gemeinsam zu organisieren ist der Schlüssel zur Selbstverteidigung. Selbstverteidigung muss nicht nur im physischen stattfinden, sondern fängt im Kopf schon an. (Das ist eine sehr schöne Frage, darüber müssten wir alle eigentlich mal nachdenken, um eine Antwort darauf zu finden.)   Was können wir als junge Frauen tun, einerseits um die Gesellschaft, die Kultur der Gesellschaft zu schützen (wofür Şehîd Zilans Erbe ja auch unter anderem steht) und andererseits die Gesellschaft und ihre Identität zu verteidigen? Ich finde es ist sehr wichtig die Kultur zu pflegen. Das fängt natürlich mit der Sprache an, seine eigene Sprache zu sprechen. Durch die Sprache hat man immer einen direkten Bezug zu seiner Kultur. Das ist ein wichtiges Fundament, dadurch entsteht auch ein Gefühl zur Heimat. Aber es gibt noch viele weitere Formen, wie Tanz, Musik, etc., da muss jeder für sich selber auch schauen was einen selbst begeistert, wie man seine Kultur am besten leben kann. Aber ich denke es gibt viele Möglichkeiten seine Kultur kennen zu lernen. In Europa gibt es auch viele junge Frauen, die gar keinen Bezug mehr zur kurdischen Kultur haben. Gerade, weil wir hier so stark die deutsche, die europäische Kultur annehmen und unter dem Einfluss des Systems stehen. Aber es gibt viele Möglichkeiten, wo wir uns als junge Frauen selbst stärken können und die Verbindung zur eigenen Kultur wiederfindet.        

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Interview: Kultur ist ein Symbol des Seins

Am vergangenen Wochenende fand das traditionelle Festival der Folkloretänze Kurdistans (Mîhrîcana Govendên Kurdistan) in Duisburg statt. Das Tanzfestival jährte sich somit zum 36. Mal. Komas, Govendgruppen und deren Mamostes (LehrerInnen) aus ganz Deutschland und der Schweiz nahmen Teil und die verschiedensten Tänze der Regionen Kurdistans wurden vorgeführt. Am Ende der zwei Tage verkündete die Jury die Tanzgruppen, welche am besten getanzt hatten. Auch wurden Gruppen für besondere Kleidung, besondere Arbeit und Mühen, einen tiefen Weg der Suche – wie genau ein Gebiet getanzt und verstanden wurde – ausgezeichnet. Der Saal als auch die Bühne war mit jungen Menschen prall gefüllt, sie erfüllten den Raum mit Energie und Freude. Wir als Xwebûn-Magazin waren vor Ort und haben mit den jungen Frau gesprochen: was hat Folklore für eine Bedeutung und warum sind Festivals wie diese so wichtig für die (kurdische) Gesellschaft?   Hallo, stell dich gerne zunächst einmal vor: Hallo, ich heiße Yasmin. Ich bin 23 Jahre alt und komme aus Rojava. Dort bin ich auch geboren und aufgewachsen, in einer kleinen Stadt in der Nähe von Derîk, namens Girkelege. Ich studiere Logopädie, Sprachtherapie im 6. Semester an der Hochschule in Bochum.   Welcher Tanz ist speziell für dein Gebiet? Und hast du einen Lieblingstanz? Tänze, die bei uns in Rojava bekannt sind, zum Beispiel Çapkî, Bablikan, Koçerî, Bagiye tanze ich am liebsten. Ich habe viele Lieblingstänze, die auf kurdischen Veranstaltungen (oder Hochzeiten) getanzt werden.   Warum bist du heute hier? Und bist du als Teilnehmerin oder Tänzerin da? Vor einiger Zeit habe ich selbst bei einer Koma mit getanzt, und zwar „Koma Dersim“. Da haben wir auch immer für die Mihrican trainiert. Ich habe es dann irgendwann aus zeitlichen Gründen nicht mehr zum Training geschafft, das heißt ich habe es dann leider abgebrochen. Aber ich komme sehr gerne zur Mihrican als Zuschauerin, weil ich es einfach sehr interessant finde, wie vielfältig unsere Tanzkultur ist. Es sind ja so viele Regionen und es gibt so unterschiedliche Tänze in allen Teilen Kurdistans. Und wenn ich hier bin habe ich nicht nur das Gefühl, dass ich neue Tänze kennenlerne, sondern tatsächlich auch neue Eigenschaften, Besonderheiten aus den verschiedenen Gebieten.   Was bedeutet für dich Folklore? Folklore, beziehungsweise das Tanzen an sich ist ja eine Art sich auszudrücken. Und vor allem bei uns in der kurdischen Kultur hat das eine tiefe Bedeutung. Es wurde mir auch immer von meinen Eltern beigebracht, die eigene Leidenschaft und die eigene, die kurdische Geschichte, die kurdische Identität zu kennen und nach außen zu zeigen. Mit unserer Folklore, mit unserem Tanz können wir uns besser ausdrücken. Für mich stellt das eine Verbindung zu meinen Wurzeln, zu meiner kurdischen Identität da.   Warum ist aus deiner Sicht Kultur generell wichtig, Folklore darin auch als Teil der Kultur? Was bedeutet Kultur für dich? Speziell bei ist der Erhalt der Kultur besonders wichtig, da sie seit Jahrhunderten unterdrückt wurde und wird. Das heißt zum Beispiel durch Assimilationspolitik, durch die Islamisierung, auf Grund verschiedenster Faktoren. Wir durften sie lange Zeit nicht ausleben in dem Maße wie wir es gerne wollten und es notwendig gewesen wäre. Und gerade jetzt, wo wir die Möglichkeit haben unsere Kultur auszuleben, ob Folklore, ob Sprache, Gesang, Bücher, Literatur oder was auch immer, finde ich es sehr wichtig, dass wir dies auch tun und daran arbeiten dies zu stärken. Einfach damit sie nicht verloren geht. Auf Grund der Unterdrückung unseres Volkes haben sehr wenig Menschen von unseren Vorfahren, welche unsere Kultur stark geprägt haben, direkt lernen können. Deshalb sind solche Veranstaltungen so wichtig, wo wir die Möglichkeit haben etwas Neues zu lernen, etwas Neues mit zu bekommen, und das dann auch an andere weitergeben können. Gerade als Kurdin ist unsere Kultur so fundamental, einfach wenn wir in unsere Geschichte blicken, ist es sehr wichtig, dass wir unsere Kultur weitergeben und sie präsentieren. Kultur ist zugleich auch ein Symbol des Seins einer Gesellschaft, ihrer Existenz.   Was kann man (als junge Frau, als kurdische junge Frau) tun, um die Kultur zu schützen und zu verteidigen? Als kurdische junge Frau finde ich es sehr grundlegend sich mit sich selbst auseinander zu setzten. Mit der Identität, der eigenen Rolle der Frau in der kurdischen Kultur. Wie diese früher angesehen wurde, wie sie jetzt ist und wie diese in der Zukunft aussehen soll. Es sollte an der Bildung gearbeitet werden, egal ob Mann oder Frau. Ich finde es ist unsere Pflicht durch unsere Bildung ein Zeichen zu setzten, denn es ist ein Instrument, das wir nutzen können. Wenn wir etwas gelernt haben, können wir Kurdistan helfen, unseren Schwestern und Brüdern. Als junge Frau finde ich ist es wichtig die eigene, die kurdische Sprache zu sprechen, sich mit der Geschichte auseinander zu setzen. Wie möchte ich als (kurdische) Frau auftreten, wie kann ich für mich und alle Frauen einstehen, was sind meine Rechte? Wie sollen sich andere mir gegenüber verhalten. Wie kann ich meine eigene Gesellschaft für ihr falsches Verhalten gegenüber Frauen kritisieren, aber ohne ungenau zu sein? Denn natürlich gibt es in jedem Volk Klischees über Frauen und eine Erwartungshaltung gegenüber Frauen, die wir alle kennen. Das gibt es überall, nicht nur bei uns. Auch sich damit auseinander setzten ist sehr wichtig. Wie kann ich dazu beitragen, dass sich die Rolle der Frau ins Positive verbessert? Wir brauchen bei diesem Thema einfach mehr Aufklärung. Es ist ein bisschen wie so eine Waage, wo man herausfinden muss, was wichtig ist innerhalb der Traditionen zu erhalten, weiter zu geben und zu leben, und was aber Traditionen sind, die eigentlich überwunden werden müssen.

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Interview „ Kurdischer Studierenden Kongress“ in Deutschland

– 03.10.2025, Frankfurt am Main – Als junge Frauen Zeitschrift „Xwebûn“ waren wir beim diesjährigen Kurdischen Studierenden Kongress in Frankfurt dabei, um von den Eindrücken zu berichten. Bei diesem Kongress, diesem Zusammentreffen der unterschiedlichsten StudentInnen aus Hochschulgruppen aus ganz Deutschland ging es darum sich kennen zu lernen, zu vernetzen und gemeinsam ein Fundament zu schaffen auf dem man zusammenarbeiten kann und die gemeinsamene Identität zu finden und zu schützen. Am Kongress nahmen über 300 Personen teil. Damit die Arbeiten der Uni-Gruppen nicht nur lokal in den Städten sprießen, sondern überall wachsen, um die Stimme kurdischer Studierenden lauter werden zu lassen, wurde unter anderem zusammengerufen, um einen Dachverband zu gründen. Dafür wurde ein Vorstand, bestehend aus 2 jungen Frauen und 3 jungen Männern, gewählt. Auf dem Kongress, legten aus allen Teilen Kurdistans Jugendliche die aktuelle Lage in der jeweiligen Region dar, die Repression, aber auch und vor allem den Widerstand.  Es wurde diskutiert, Delegierte aus den Universitäten Başûr, Bakûrs, eine Studentin, die in Rojhilat zunächst aufgewachsen, und eine junge Frau live zugeschaltet aus Rojava, sprachen. Als wichtiger Teil der kurdischen Kultur, trat auch die in Frankfurt verortete Folkloregruppe „Rojava“ auf. Der Kongress fand in insgesamt 5 Sprachen statt (Kurmancî, Soranî, Deutsch, Türkisch, Englisch). Zu aller Überraschung kam noch eine Grußbotschaft der Ko-Vorsitzenden für auwärtige Beziehungen der Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien Îlham Ehmed. Sie wünschte allen Studierenden und Jugendlichen viel Erfolg. Der Kongress ging mit so viel Energie, wie sie am Anfang zu spüren war und Zuversicht für eine gemeinsame Zukunft zu Ende. Könnt ihr euch einmal vorstellen? Lorin: Ich heiße Lorin und studiere im 8. Semester Lehramt die Fächer Englisch und Wirtschaft/ Politik in Essen. Dicle: Ich heißte Dicle und komme aus Bochum. Dort studiere ich auf Lehramt die Fächer Englisch und Deutsch.   Wir sind hier heute bei dem Kongress kurdischer Studierender in Deutschland. Wir können es als ein historisches Event bezeichnen. Was hat euch bewegt heute hier herzukommen, warum seid ihr heute hier und was nehmt ihr von dem Tag heute mit? Lorin: Der Kongress hat uns dazu gebracht uns heute und hier zu versammeln und mich mit anderen KurdInnen zu verbinden. Seit langem verspüre ich mal wieder ein Gefühl von Einheit zu, was in deutschen Universitäten sehr oft verloren geht. Diese Stärke, Moral und den Erfolg vom heutigen Tag möchte ich mitnehmen. Und ich hoffe, dass dieser Kongress ein Anfang von etwas ist, was uns in der Zukunft noch viel mehr Möglichkeiten bietet uns an den Unis besser zu connecten und gemeinsam noch viele große Dinge zu erreichen. Dicle: Ich bin heute hier, weil es nicht so viele Möglichkeiten gibt so viele kurdische Menschen oder Menschen, die sich für die kurdische Gesellschaft und dessen Probleme interessieren, im Alltag zu treffen. Vor allem in Universitäten trifft man sich nicht auf diese Weise, da es oftmals schwierig ist Personen zu finden die Treffen organisieren oder auch überhaupt organisieren „dürfen“. Weshalb es um so schöner ist, dass uns diese Möglichkeit vor allem als Studierende gegeben wird. Das ist wichtig, damit man sich auch nicht so alleine fühlt mit seiner Identität und Verbindungen knüpfen kann.   Was bedeutet es als Kurdin zu studieren, was für Einflüsse hat eure Identität auf euer Studium? Lorin: Meine Eltern beziehungsweise ich kommen aus Bakûr Kurdistan, Merdin, genauer gesagt Niseybin. Was das genau für mich und mein Studium bedeutet ist erst einmal, dass ich in meiner Familie die Erstakademikerin bin. Es gibt in meiner Familie keine Beispiele diesbezüglich, da sie wie viele andere KurdInnen oder auch andere Diaspora in den 1990er Jahren nach Deutschland geflohen sind und auf Grund von politischer Verfolgung gezwungen waren ihr Leben nun hier weiter zu führen. Und ich sehe viele andere junge KurdInnen in meinem Alter (Ich bin 23 Jahre alt), die orientierungslos sind. Das liegt an der Assimilation und der darauffolgenden Schwierigkeiten, die wir haben unsere Identität zu finden und zu schützen. Man verspürt nämlich den Druck sich anpassen zu müssen an etwas wo man zum Beispiel die Norm nicht kennt, wie unter deutschen Studierenden. Zuhause hat man eine ganz andere Realität, verschiedene Persönlichkeiten, die Familie, die kurdische Kultur, Religion und vieles weitere. Das alles möchte man unter einen Hut bringen und manchmal kann das sehr überfordernd sein. Diese Last kann einem aber abgenommen werden, durch Versammlungen wie diese. Oder auch durch den Dachverband, der jetzt auf dem Kongress gegründet wurde. Das ist etwas, was mich beruhigt, was mir eine Unterstützung und Zuversicht gibt. Dicle: Meine Familie kommt ursprünglich aus Dersim und sind dann nach Sîwaz geflüchtet und haben gleich zwei Massaker miterlebt. Das Traumata und die Assimilierung hält sie davon ab über ihre Vergangenheit zu reden, weshalb ich mit meiner Familie so gut wie gar nicht über meine Wurzeln sprechen kann. Ich kann ihr gelebtes Trauma nachvollziehen, aber wünsche mir gleichzeitig eine Person mit der ich mich darüber austauschen, mit der man reden kann. An meiner Uni gibt es zwar KurdInnen, aber wir stellen eher eine Minderheit dar. Man fühlt sich manchmal schon einsam, weil es Themen gibt die andere nicht direkt nachvollziehen können. Wenn man sich mit Personen über die gleichen Schwierigkeiten austauschen kann, kann man auch gemeinsam nach Lösungen suchen. Wie Lorin auch eben schon meinte, ist es deshalb um so schöner solche Veranstaltungen zu finden, wo man sich austauschen kann, ohne dass man Angst davor haben muss verurteilt zu werden. Oder auch bemitleidet zu werden, denn das bringt gar nichts. Ich möchte gemeinsam, nach einer gemeinsamen Identität suchen.   Wie ihr auch schon erwähnt habt, wurde heute der Dachverband kurdischer Studierender in Deutschland gegründet. Was ist eure Perspektive darin, mit was für Vorstellungen und Ideen schaut ihr in die Zukunft und wie geht ihr in diese neu angestoßene Etappe? Lorin: Ich bin sehr enthusiastisch. Der Tag heute hat mir sehr viel Kraft gegeben. Gerade auch im Hinblick auf die aktuellen Ereignisse und all die Repression. Denn zusammen lässt uns das als KurdInnen, als Xwendekars hier in Deutschland, in der Diaspora standhaft bleiben. Was wir uns daraus erhoffen ist eine stärkere Organisiertheit und verbesserte Vernetzung von

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